Die Variante »Wien« weist viele Ornamente auf und verwendet für die erste und zweite Überschriftenkategorie eine Schrift mit organischen Formen, ähnlich der Schrift, die bei einigen Stationen der Pariser Metro zu sehen ist. Zu diesen runden Formen passt die Stempel Schneidler gut, auch wenn F. H. Ernst Schneidler (1882 bis 1956) sie erst 1939 bei der Schriftgießerei Stempel in Frankfurt veröffentlicht hat. F. H. Ernst Schneidler studierte zunächst an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf Architektur bei Peter Behrens, wurde später jedoch Schriften-Entwerfer, Lehrer und Kalligraph. Seine Schrift Stempel Schneidler geht auf venezianische Vorbilder zurück und eignet sich gut für lange Lesetexte.
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| Der Jugendstil war lediglich über eine kurze Periode prägend für Kunst, Buchgestaltung, Produktdesign und Literatur. Diese Stilrichtung bestand zwischen etwa 1890 und 1910 in verschiedenen europäischen Ländern mit unterschiedlicher Ausprägung und uneinheitlicher Namensgebung. So hieß der Jugendstil in Frankreich Art Nouveau, im englischen Sprachraum Modern Style, in Italien Stile Liberty, in Spanien Modernismo und in Österreich Secessionsstil. Der deutsche Name geht auf die Kunst- und Literaturzeitschrift »Die Jugend« zurück. Allgemein kennzeichnende Elemente waren dekorative und florale Ornamente, stilisierte Tiere (vor allem Pfaue), geometrische Muster und abgerundete oder verzerrte Schriften. Das Dekorative war rein formal und bot allerlei Möglichkeiten für experimentelle Formgebung. Zum ersten Mal in der Geschichte der bildenden Kunst wandte man sich weitgehend von der reinen Nachahmung der Naturformen ab. Im Sektor Buchgestaltung entstanden im Zuge der neuen Stilrichtung äußerst ausgefallene und bibliophile Buchausstattungen wie Henry van de Veldes Buchgestaltung für »Also sprach Zarathustra: ein Buch für Alle und Keinen«, erschienen 1908 im Leipziger Inselverlag. Damals wie heute schwankt die Bandbreite der Rezeption des Jugendstils von Kitsch bis hin zum Aufbruch in eine neue Ästhetik.
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