Jugendstil - Glasgow
Glasgow
Glasgow
Unsere Designvariante Glasgow orientiert sich an den Arbeiten des Schotten Charles Rennie Mackintosh (1868–1928). Als Architekt, Innenausstatter und Designer bereiste er 1890 das europäische Festland und kam dort mit der Jugendstilbewegung in Kontakt. Eines der berühmtesten Gebäude, die Mackintosh entwarf, ist die 1897 errichtete Glasgow School of Art. Durch seine Teilnahme an der Ausstellung der Wiener Secession im Jahr 1900 avancierte er mit seinen Jugendstil-Möbeln zu einem der führenden europäischen Designer. Die Einflüsse des Jugendstils verband Mackintosh mit Elemente der japanischen Formsprache. Dies zeigt sich stark an seinem Design für den Glasgower Willow Tea Room aus dem Jahr 1903, wo entgegen der üblichen Auffassungen von Jugendstil Mackintosh viel mit schwarzweißen und geometrischen Formen arbeitete, um die Ästhetik japanischer Tuschezeichnungen aufzugreifen. Die Beschriftung der von ihm geplanten Gebäude, aber auch Plakate, Buchumschläge und Einladungskarten zeichnete er per Hand. Jedoch ist nicht bekannt, dass er vollständige Alphabete entwickelt hat. Einer der charakteristischen Schriftzüge wurde 1995 von Colin Brignall ausgebaut und digitalisiert und wird für dieses Buchdesign verwendet. Auch die Ornamente der Kapitelanfänge, das florale Signet und die Quadrate in der Paginierung sind Reminiszenzen an die Formsprache Mackintoshs. Als Fließtextschrift wurde die Weiß-Antiqua des deutschen Malers und Schriftentwerfers Emil Rudolf Weiß (1875–1942) verwendet, der auch Mitarbeiter der Zeitschrift »Die Jugend« war.
Der Jugendstil war lediglich über eine kurze Periode prägend für Kunst, Buchgestaltung, Produktdesign und Literatur. Diese Stilrichtung bestand zwischen etwa 1890 und 1910 in verschiedenen europäischen Ländern mit unterschiedlicher Ausprägung und uneinheitlicher Namensgebung. So hieß der Jugendstil in Frankreich Art Nouveau, im englischen Sprachraum Modern Style, in Italien Stile Liberty, in Spanien Modernismo und in Österreich Secessionsstil. Der deutsche Name geht auf die Kunst- und Literaturzeitschrift »Die Jugend« zurück. Allgemein kennzeichnende Elemente waren dekorative und florale Ornamente, stilisierte Tiere (vor allem Pfaue), geometrische Muster und abgerundete oder verzerrte Schriften. Das Dekorative war rein formal und bot allerlei Möglichkeiten für experimentelle Formgebung. Zum ersten Mal in der Geschichte der bildenden Kunst wandte man sich weitgehend von der reinen Nachahmung der Naturformen ab. Im Sektor Buchgestaltung entstanden im Zuge der neuen Stilrichtung äußerst ausgefallene und bibliophile Buchausstattungen wie Henry van de Veldes Buchgestaltung für »Also sprach Zarathustra: ein Buch für Alle und Keinen«, erschienen 1908 im Leipziger Inselverlag. Damals wie heute schwankt die Bandbreite der Rezeption des Jugendstils von Kitsch bis hin zum Aufbruch in eine neue Ästhetik.
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