Jugendstil - Darmstadt
Darmstadt
Darmstadt
Für den Jugendstil »Darmstadt« haben wir uns bei Schrift und weiteren Gestaltungselementen an der Arbeit von Peter Behrens orientiert, von ihm sind die etwas eckige Schrift der Überschriften (herausgebracht bei der Klingspor-Gießerei Offenbach 1901) sowie die Rahmenelemente. Als neutrale Lesetextschrift haben wir die Janson gewählt, die von Miklós Kis (1650–1702) geschaffen wurde. Er kam aus Transsilvanien und ging in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach Holland, um dort das Druckhandwerk zu erlernen. Kis wurde einer der führenden Stempelschneider seiner Zeit und kehrte später in seine Heimat zurück, um Bibeln zu drucken. Seine Originalmatrizen, die 1919 von der Schriftgießerei Stempel gekauft wurden, gehen auf Schriften des holländischen Schriftgießers und Stempelschneiders Anton Janson (1620–1687) zurück.
Der Jugendstil war lediglich über eine kurze Periode prägend für Kunst, Buchgestaltung, Produktdesign und Literatur. Diese Stilrichtung bestand zwischen etwa 1890 und 1910 in verschiedenen europäischen Ländern mit unterschiedlicher Ausprägung und uneinheitlicher Namensgebung. So hieß der Jugendstil in Frankreich Art Nouveau, im englischen Sprachraum Modern Style, in Italien Stile Liberty, in Spanien Modernismo und in Österreich Secessionsstil. Der deutsche Name geht auf die Kunst- und Literaturzeitschrift »Die Jugend« zurück. Allgemein kennzeichnende Elemente waren dekorative und florale Ornamente, stilisierte Tiere (vor allem Pfaue), geometrische Muster und abgerundete oder verzerrte Schriften. Das Dekorative war rein formal und bot allerlei Möglichkeiten für experimentelle Formgebung. Zum ersten Mal in der Geschichte der bildenden Kunst wandte man sich weitgehend von der reinen Nachahmung der Naturformen ab. Im Sektor Buchgestaltung entstanden im Zuge der neuen Stilrichtung äußerst ausgefallene und bibliophile Buchausstattungen wie Henry van de Veldes Buchgestaltung für »Also sprach Zarathustra: ein Buch für Alle und Keinen«, erschienen 1908 im Leipziger Inselverlag. Damals wie heute schwankt die Bandbreite der Rezeption des Jugendstils von Kitsch bis hin zum Aufbruch in eine neue Ästhetik.
Buchdesigns